
It took 20 years. The Ahmadiyya Muslim community in Erfurt spent six years alone searching for a building site for their mosque. During that time, they faced considerable opposition. Now, an important date is approaching for the religious community: On Saturday, the Mahmud Mosque in the Erfurt district of Marbach will be inaugurated.
Religion. Nach Jahren des Gegenwinds: Thüringens erster Moschee-Neubau wird eingeweiht
13. Februar 2026, 15:53 UhrArtikel hören
20 Jahre hat es gedauert. Allein sechs Jahre hat die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde Erfurt nach einem Baugrundstück für ihre Moschee gesucht. In der Zeit gab es viel Gegenwind. Jetzt steht ein wichtiges Datum für die Glaubensgemeinschaft an: Am Samstag wird die Mahmud-Moschee im Erfurter Ortsteil Marbach eingeweiht.
von Antje Kirsten, MDRTHÜRINGEN
TeilenKommentare
“Liebe für alle, Hass für keinen” steht auf einer der Hauswände geschrieben. Es ist das Leitmotiv der Religionsgemeinschaft. “Wir sind seit der Wende auch in Erfurt beheimatet. Wir gehören in diese Stadt und mit der Moschee sind wir nun sichtbar geworden, als Teil der Gesellschaft, Teil von Erfurt”, sagte der Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Suleiman Malik.

Suleman Malik ist Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde.Bildrechte: picture alliance / epd-bild | Paul-Philipp Braun
Typ Einfamilienhaus statt Prunk
Es ist ein schlichtes Gebäude – eher Typ großes Einfamilienhaus. Nur das Zierminarett und die Kuppel deuten auf ein islamisches Gotteshaus hin. Es gibt zwei Gebetsräume, einen für die Männer, einen für die Frauen.
Insgesamt haben die beiden Räume, die dick mit Teppich ausgelegt sind, Platz für circa 200 Gläubige. Es gibt keinen Prunk, kein Gold.

Finanziert wurde der Bau vollständig aus eigenen Mitteln beziehungsweise aus Spenden.Bildrechte: MDR/Antje Kristen
Ein breites, helles Foyer bietet Platz fürs gemeinsame Essen, Feiern, Reden. Am Sonntag lädt die Gemeinde zur “Offenen Moschee” ein und hofft, mit den Erfurtern ins Gespräch zu kommen.
Schweineköpfe und Holzkreuze
Die haben es den Muslimen bei ihrem Vorhaben, sich ein Gotteshaus zu errichten, nicht immer leicht gemacht. Selten wurde so erbittert gestritten. Allein sechs Jahre hat es gedauert, bis ein Grundstück gefunden war. Als bekannt wurde, dass die Moschee im Ortsteil Marbach entstehen soll, wurde der Protest laut.

1 min
Erfurt Mahmud-Moschee eingeweiht
Und bisweilen auch eklig: 2017 stellten Unbekannte in einer Nacht- und Nebelaktion Holzpflöcke mit Schweinekadavern und zehn Meter hohe Holzkreuze in unmittelbarer Nähe des Baugrundstücks auf. Demonstranten hüllten sich in Burkas.
Die Baufirmen wurden eingeschüchtert. Es wurden die Autoschilder der Baufahrzeuge fotografiert. Die AfD und Rechtsradikale hatten das auf ihren sozialen Medienkanälen gepostet.Suleiman Malik Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde
Die Grundsteinlegung 2018 wurde streckenweise niedergebrüllt. Immer wieder ruhte der Bau, weil Baufirmen ihre Leute abzogen aus Sorge um deren Sicherheit. Regionale Baufirmen sprangen ab oder gaben gar nicht erst Angebote ab.
“Die Angriffe waren massiv”, sagt Malik. “Die Baufirmen wurden eingeschüchtert. Es wurden die Autoschilder der Baufahrzeuge fotografiert. Die AfD und Rechtsradikale hatten das auf ihren sozialen Medienkanälen gepostet”, beschreibt Suleiman Malik, womit sie es zu tun bekamen.

Proteste und feindliche Aktionen gegen die Moschee in Erfurt gab es seit Bekanntwerden der Pläne im Mai 2016. (Archivbild)Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Und es scheint auch mit dem Ende des Baus nicht vorbei zu sein. Die Ahmadiyya-Gemeinde zählt in Erfurt etwa 100 Mitglieder. Sie und ihre Festgäste müssen am Samstag mit Gegenwind rechnen.
Zum Aufklappen: Die Ahmadiyya-Gemeinschaft
Für drei Tage Parken verboten
Die Stadt hat in dieser Woche in der Straße vor der Moschee Parkverbotsschilder aufgestellt. “Sie reserviert Parkplätze für Nazis?”, fragt sich Malik und kann es nicht fassen.
Wir werden die gesperrten Parkflächen vermutlich brauchen, um die Gäste der Feierlichkeiten, Demonstranten und Gegendemonstranten zu trennen.Heike Langguth Ordnungsbürgermeisterin
Ordnungsbürgermeisterin Heike Langguth (parteilos) rückt den Eindruck im Gespräch mit MDR THÜRINGEN gerade: “Das Halteverbot haben wir für die drei Tage der Feierlichkeiten in der Moschee aufgestellt. Die Flächen sind tatsächlich für die Gegendemonstranten. Im Moment haben wir eine Anmeldung für eine Versammlung. Wir haben dort aber wenig Ausweichmöglichkeiten und die Meinungsfreiheit muss gewahrt sein. Wir werden die gesperrten Parkflächen vermutlich brauchen, um die Gäste der Feierlichkeiten, Demonstranten und Gegendemonstranten zu trennen.”

Die Parkplätze vor der Marbacher Moschee sind gesperrt wegen einer angemeldeten Gegendemonstration.Bildrechte: MDR/Antje Kristen
Die Moschee ist der erste Neubau eines islamischen Gebetshauses in den neuen Bundesländern außerhalb von Berlin. “Sie steht für die religiöse Vielfalt, die wir in Erfurt haben und die hier gelebt wird”, sagt Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). “Jeder Erfurter kann sich ein eigenes Bild machen, die Moschee besuchen, mit den Menschen dort reden, um sich eine Meinung zu bilden.”
Tag der offenen Moschee
Am Samstag ist die Mahmud-Moschee nur für geladene Gäste geöffnet, am Sonntag dann für alle Interessierten. Danach ist das große Zauntor wieder verschlossen – aus Sicherheitsgründen.
Seit zwei Jahren ist das Haus eigentlich fertig. Doch so ein Bau muss geweiht werden. Lange Zeit hatten die Erfurter Muslime auf den Kalifen – das Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Gemeinschaft – gewartet.

Der Muezzin, der Gläubige zum Gebet ruft, soll hier nur innerhalb des Gotteshauses zu hören sein.Bildrechte: MDR/Antje Kristen
Doch der in London lebende Kalif Mirza Masroor Ahmad kommt nicht. Er hat mit der Eröffnungszeremonie Abdullah Uwe Wagishauser, den Bundesvorsitzenden der Ahmadiyya-Gemeinde beauftragt. Die Ahmadiyya-Bewegung wurde in Indien gegründet. Sie versteht sich als Reformer des Islams, ihre Botschaft “Liebe für alle, Hass für keinen” ist nun auch in Erfurt zu lesen.

Categories: The Muslim Times
Latest audio
Latest videos
Live TV
ReligionGermany
Building a mosque in East Germany
12:33
ReligionGermany
11/09/2024November 9, 2024
The Ahmadiyya Muslim community in Erfurt, Thuringia has around 100 members, so their planned mosque is not particularly large. Nevertheless, the construction project has been met with fierce opposition from some residents.
https://p.dw.com/p/4mpDm
Advertisement
Suleman Malik is the spokesperson of the Ahmadiyya Muslim community in Erfurt, which is building a new mosque in an industrial area on the outskirts of the Thuringian city. It’s the first new Muslim place of worship to be built in the former GDR. Opponents have been staging regular protests in front of the site for years. The mosque’s construction has been delayed again and again, with building companies facing intimidation online. Christian churches in Thuringia are standing by the Muslim community, as is State Premier Bodo Ramelow, who was first elected to the position in 2014. But the mood in the state has become increasingly hostile, with political rhetoric getting more and more harsh. In recent state elections, the right-wing AfD emerged as the strongest party. Can Suleman Malik stand up to the anti-Muslim sentiment?
After Ten Years of Hatred and Incitement – Now the Controversial Mosque Is Opened in Erfurt
Summary by rnd.de
In Erfurt, the Ahmadiyya community celebrates the inauguration of the Mahmood Mosque on Saturday. The construction lasted ten years – in a federal state where the AfD is the strongest political force. A story about ideology, faith, protest, solidarity and the power of patience.