Treffen der Ahmadiyya-Gemeinde
FAQ: Zehntausende Muslime zur “Jalsa Salana” in der Eifel erwartet
Auf dem Flugplatz Mendig findet von Freitag bis Sonntag das jährliche Treffen der Ahmadiyya-Gemeinde Deutschland statt. Es ist die größte muslimische Versammlung in Europa. Trotzdem ist die Ahmadiyya-Gemeinde vielen unbekannt.
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Stand4.9.2026, 20:43 Uhr
50.000 Muslime kommen in Mendig zusammen
2 Min
Einmal im Jahr hält die Ahmadiyya Muslim Jamaat, das bedeutet muslimische Ahmadiyya Gemeinde oder Gemeinschaft, ihre Jahresversammlung ab – ihre “Jalsa Salana”. In diesem Jahr bereits zum 50. Mal. Die muslimische Gemeinschaft trifft sich seit 2024 auf dem Flugplatz Mendig. Dort hatte die Versammlung auch im vergangenen Jahr stattgefunden. Das diesjährige Treffen dauert vom 4. bis zum 6. September. Was man sonst noch zu der Gemeinde und dem Treffen wissen sollte:
- Was ist die Ahmadiyya-Gemeinde?
- Welche Kritik gibt es an der Ahmadiyya-Gemeinschaft?
- Was ist der Anlass für das Treffen in Mendig?
- Wie viele Menschen werden zu dem Treffen erwartet?
- Warum gerade der Flugplatz Mendig?
- Wie wird die An- und Abreise organisiert?
- Gibt es ein besonderes Sicherheitskonzept der Polizei?
- Wie wird das Ahmadiyya-Treffen finanziert?
- Dürfen auch Zuschauer bzw. Nicht-Ahmadiyya-Mitglieder zu dem Treffen?
Was ist die Ahmadiyya-Gemeinde?
Ziel der Ahmadiyya Muslim Jamaat – oder kurz AMJ – ist es, einen reformierten Islam mit friedlichen Mitteln zu verbreiten. Die AMJ vertritt nach eigenen Angaben eine zeitgemäße Auslegung des Korans, die jegliche Gewalt in Glaubensfragen ablehnt und für eine strikte Trennung von Religion und Staat ist.
Die AMJ ist die einzige islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland mit Körperschaftsstatus in Hamburg und Hessen. Dort ist sie den Kirchen organisatorisch und rechtlich gleichgestellt. In Hessen etwa gibt die AMJ eigenverantwortlichen Religionsunterricht. In Rheinland-Pfalz hat die Landesregierung am 20. Dezember 2024 mit mehreren Islamverbänden Verträge darüber abgeschlossen, auch mit der AMJ.
Wie viele Anhänger es weltweit gibt, ist nicht genau bekannt. Die Religionsgemeinschaft nennt die Zahl von etwa zehn Millionen Anhängern, in Deutschland sind es nach eigenen Angaben 55.000 bis 60.000 Mitglieder. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums leben in Deutschland mittlerweile zwischen 6,6 und 7 Millionen Muslime. Mit einem Anteil von zirka 8 Prozent an der Gesamtbevölkerung stellen sie somit die zweitgrößte religiöse Gruppe in Deutschland dar.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat wird nicht von allen islamischen Gruppierungen anerkannt. In Pakistan etwa wird sie seit mehr als 100 Jahren verfolgt. Nicht zuletzt deshalb tritt die Ahmadiyya-Gemeinschaft in Deutschland für Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein.
Welche Kritik gibt es an den Ahmadiyya-Muslimen?
Ganz unumstritten ist die Ahmadiyya-Gemeinde aber auch in Deutschland nicht. Kritiker werfen ihr vor, zu konservativ zu sein, dass etwa Männer und Frauen nicht gleichgestellt seien. Die Soziologin Necla Kelek kritisiert, dass der Koran und die Sunna wortwörtlich genommen würden. Männer entschieden über das Leben von Frauen und Ältere über das von Jüngeren. Außerdem lebe die Gemeinschaft abgeschottet und Verwandschaftsehen seien häufig.
Kritisiert wird generell auch, dass die konservative Ethik der Gemeinschaft Homosexualität ablehnt.

Größtes Treffen in ganz EuropaMuslimische Ahmadiyya-Gemeinde: Rund 40.000 Gläubige in Mendig
Was ist der Anlass für das Treffen in Mendig?
Einmal im Jahr kommen Gläubige zur Hauptversammlung der Deutschen Ahmadiyya-Gemeinden zusammen, zu der aber auch Gläubige aus anderen Ländern kommen dürfen. Das Treffen heißt offiziell “Jalsa Salana”, was soviel heißt wie “die jährliche Versammlung” und kann auch als “Muslimischer Kirchentag” verstanden werden.
Das Treffen ist aber nicht nur ein religiöses Ereignis. Die Mitglieder der in einigen muslimischen Ländern verfolgten Glaubensgemeinschaft sind über die ganze Welt verstreut. Viele nutzen das Treffen auch für ein Wiedersehen mit Familienmitgliedern und Freunden, die weit entfernt lebten.
Auf dem Gelände in Mendig wird es von Freitag bis Sonntag Vorträge zu religiösen und gesellschaftlichen Themen geben, außerdem wird zusammen gebetet und gegessen. Das gesamte Programm wird weltweit übertragen.
Seit 1984 ist Abdullah Uwe Wagishauser der amtierende Bundesvorsitzende der Gemeinde.

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Wie viele Menschen werden in Mendig erwartet?
Insgesamt rechnet die Ahmadiyya-Gemeinde, dass mehr als 40.000 Muslime zu dem Treffen kommen. Es ist das 50. Treffen, das in dieser Art stattfindet. In den letzten Jahren haben die Versammlungen deutlich an Fahrt aufgenommen. Bei der ersten “Jalsa Salana” in Deutschland im Jahr 1975 wurden gerade einmal 70 Teilnehmer in einer Hamburger Moschee gezählt. 2024 kamen Zehntausende auf dem Gelände in Mendig zusammen, 2025 waren es knapp 50.000.
Das geistliche Oberhaupt der AMJ, der fünfte Kalif Mirza Masroor Ahmad, wird nach Auskunft der Veranstalter wie bereits im vergangenen Jahr für eine Ansprache live zugeschaltet. 2024 hatte eine Herzoperation das verhindert.

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Warum gerade der Flugplatz Mendig?
Mendig in der Eifel liegt vergleichsweise zentral, wenn man betrachtet, dass Menschen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland zu dem Treffen kommen werden. Das Gelände war früher ein Bundeswehrflugplatz, diente aber aber auch schon als Festivalgelände für “Rock am Ring”.
Und auch die Ahmadiyya-Gemeinde selbst hat das Gelände schon genutzt: 2017 war hier die Jahreshauptversammlung der Ahmadiyya-Jugend mit mehr als 7.500 Teilnehmern.
Das Flughafengelände in Mendig bietet jede Menge freien, unbebauten Platz. Dort gibt es dann eine riesige Zeltstadt, mit mehreren hundert Zelten, vom einfachen Schlafzelt, großen Pyramiden-Zelten bis zum Pop-Up-Hotelzimmer. Auch Stellplätze für Wohnwagen gibt es zu mieten und Privatzelte dürfen aufgebaut werden – bei vorheriger Genehmigung. Da Bettzeug nur begrenzt verfügbar ist, raten die Veranstalter, eigenes mitzubringen. Matratzen können in begrenzter Anzahl gegen eine Pfandgebühr ausgeliehen werden, Bettzeug aus Decke, Kissen und Matratzenbezug ebenfalls.
In der Zeltstadt wird strikt nach Geschlechtern getrennt. Ausnahme: die privaten Zelte für Familien.
Wie wird die An- und Abreise organisiert?
Um den Autoverkehr rund um Mendig so gut wie möglich in Grenzen zu halten, hat der Veranstalter die Gemeindemitglieder angehalten, die Ausfahrt “Kruft” an der A61 zu nehmen. Auf dem Flugplatzgelände selbst gebe es dann entsprechende ausgeschilderte Parkmöglichkeiten. Für eventuelle Staus oder Verzögerungen sollte man dennoch mindestens zwei Stunden zusätzlich einplanen, rät der Veranstalter.
Für diejenigen, die mit der Bahn anreisen, empfielt der Veranstalter die nächstgelegenen Städte Mayen und Andernach. Von dort verkehrten Shuttle-Busse zum Veranstaltungsgelände.
Gibt es ein besonderes Sicherheitskonzept der Polizei?
Die Polizei in Mayen erwartet auch in diesem Jahr kaum Probleme und schätzt die Gefahrenlage als gering ein. Vorangegangene Treffen seien nach innen wie außen friedlich verlaufen.
Die Polizeiinspektion Mayen will mit ausführlichen An- und Abreisewegen ein Verkehrschaos für Anwohner und Firmen bei Mendig und Kruft minimieren. So sollen bestimmte Zufahrten grundsätzlich geschlossen werden. Anwohner erhalten Passierscheine, damit sie ihre Grundstücke ohne Diskussionen mit Ordnern erreichen können. Außerdem will die Polizei mit einer eigenen Wache und einer Motorradstaffel präsent sein.
Wie wird das Treffen finanziert?
Die Konferenz wird laut Ahmadiyya ausschließlich durch Spenden finanziert und von Ehrenamtlichen organisiert. Die Großveranstaltung erhält keinerlei Zuschüsse von Städten, Ländern oder dem Bund. Der Eintritt ist für alle Besucher frei.
Dürfen auch Zuschauer oder Nicht-Gemeinde-Mitglieder zu dem Treffen?
Zutritt zum umzäunten Gelände haben Gemeindemitglieder. Dieses Jahr ist für Mitglieder aus Deutschland keine Vorabregistrierung nötig. Der Eintritt erfolgt direkt über das Scannen der gültigen, sogenannten Jamaat-ID-Karte. Wer sie verliert oder vergisst, erhält an den Eingängen eine neue ID-Karte für 5 Euro. An den Eingängen zum Gelände finden laut Veranstalter umfangreiche Sicherheitskontrollen statt.
Gäste benötigen grundsätzlich eine Voranmeldung. Das entsprechende Formular steht auf der Veranstalterseite. Nach Prüfung der Angaben erhält man eine gesonderte Nachricht über die Registrierung, erst dann ist ein Gast zugelassen.

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